Fragen und Antworten

Wann lebten die Pfahlbauer am Attersee?

Vor ca. 6000-2800 Jahren besiedelten sie unsere Region. Diese Zeit wird Jungsteinzeit (Neolithikum) genannt und geht zum Ende in die Bronzezeit über.

Entlang des Schulweges, zwischen Kirche und Schulzentrum wurde im Zuge einer Pfahlbau-Projektwoche 2013 ein Zeitleistenweg errichtet, man spaziert so von der Steinzeit in die Gegenwart. Für Kinder gibt es dabei ein Rätsel zu lösen.

 

Wo lebten die Pfahlbauer am Attersee?

Am Attersee gab es in den vergangenen Jahrtausenden in verschiedenen Siedlungsphasen mehr als 30 Pfahlbaudörfer. Das Gerlhammer Moor nimmt eine Sonderstellung ein,  man findet hier in ca. 2 Meter Tiefe die Überreste der einzig bisher bekannten Feuchtbodensiedlung in einem österreichischen Moor. Aus diesem Grund steht das Gerlhamer Moor nicht nur unter Natur- sondern auch unter Denkmalschutz.

 

Wo standen die Pfahlbaudörfer?

Entgegen der weit verbreiteten Meinung standen nur wenige Pfahlbauten im Wasser, die meisten vermutlich auf der bei Hochwasser überfluteten Strandplatte. Es gibt aber auch Belege, dass die Pfahlbauer ihre Dörfer auf Inseln errichteten (Keutschachersee).

Durch einen Wasserspiegelanstieg verschwanden sie dann alle unter Wasser, wo wir heute auch die Überreste finden. Großteils befinden sich diese unter einer schützenden Schotterschicht.

 

Wie sahen die Hütten aus?

Die Holzkonstuktionen wurden je nach Lage zwischen 50 cm und 3 Meter über dem Boden errichtet. Einzelne Hütten wurden mit Stegen verbunden. Es gab verschiedene Riegel- und Blockwandaufbauten, teilweise mit Rinde gedämmt und Lehm verputzt. Die Dächer waren mit Schindeln, Rinde und später mit Schilf gedeckt. Heute kann man tolle Nachbauten in Unteruhldingen am Bodensee besichtigen. Eines der ältesten Freilichtmuseen in Europa war ein Pfahlbaudorf in Kammer am Attersee. Es wurde 1910 errichtet und 1922 für den Film „Sterbende Völker“ abgebrannt.

 

Wann wurden die ersten Pfahlbauten entdeckt?

Am 25. August 1870 entdeckte Ladislaus Gundacker von Wurmbrand in Seewalchen nur einige Meter vom Pavillon entfernt die ersten oberösterreichischen Pfahlbaufunde. 2020 können wir somit den 150-sten Jahrestag feiern! Bereits im Winter 1854/55 entdeckte der Oberlehrer Aepli in Obermeilen am Zürichsee die ersten Pfahlbauten Europas. Der später dadurch berühmt gewordene Herr Kellner, ein Forscher aus Zürich, publizierte diese erstmals als „Pfahlbauten“ und begann mit systematischen Forschungen – die Geburtsstunde der Pfahlbauforschung.

 

Warum sind die Pfahlbauten so besonders, dass sie die UNESCO unter deren Schutz stellt?

Pfahlbaufunde zeichnen sich durch einen archäologisch einzigartigen Erhaltungszustand aus. Durch den Sauerstoffabschluss unter Wasser und die Sedimentabeckung wurde das Verrotten verhindert.

Speziell in der Archäologie sehr selten vorhandene organische Funde, blieben so erhalten. Vom Fischernetz, dass im Maschendurchmesser sogar heutiger EU-Normen entspricht, über Brotreste oder getrockneten Apfelscheiben, Tontöpfe, oder Steinwerkzeuge reicht hier das Fundspektrum. Die gute Erhaltung ermöglicht die Entwicklung der Menschen über 3000 Jahre zu rekonstruieren.

 

Wer waren die Menschen in der Steinzeit?

Die Pfahlbauer sind in unserer Region nachweislich die ersten Menschen, die sich vom Jäger und Sammler zum Bauern entwickelten. Sie domestizierten die ersten Tiere und bauten verschiedene Getreide, Gemüse und Flachs an. Diese Idee entwickelte sich um ca. 10.000 v.Chr. im „fruchtbaren Halbmond“, dem heutigen Iran, Irak und Syrien.

Sie waren in etwa einen „Kopf kleiner“ als wir heute und wurden auch nicht so alt, im Durchschitt ca. nur 40 Jahre. Die niedrige durchschnittliche Lebenserwartung hatte auch entsprechenden Einfluß auf das Zusammenleben. Der bekannteste Mensch dieser Zeit ist Ötzi.

 

Die ersten Bauern?

2 Millionen Jahre zogen die Menschen als Jäger und Sammler umher, bevor vor ca. 12.000 Jahren Menschen im fruchtbaren Halbmond, dem heutigen Gebiet von Syrien, Iran und Irak auf die Idee kamen Tiere zu domestizieren und Getreide anzubauen. Heute leben 99% der Weltbevölkerung von der Landwirtschaft. Seit damals leben Menschen auch in festen Siedlungen.

 

Welche Werkzeuge hatten sie?

Manche Forscher sind der Meinung die Steinzeit sollte „Holzzeit“ heißen, da sehr viele Bestandteile der Werkzeuge aus Holz bestanden. Aus dem bekannten Feuerstein schlugen sie scharfe Klingen für Schaber, Messer etc. Später verarbeiteten sie Kupfer und ab ca. 2000 v.Chr. auch Bronze.

Kupfer aber auch Bronzebeile waren aber auch Statussymbole der damaligen Zeit. Ötzi hatte ein Beil bei sich, bei dem man davon ausgeht, dass es aus Mondseekupfer hergestellt wurde.  Die Wissenschaftler können dies anhand des Arsengehaltes feststellen.

 

Welcher Kultur gehörten „die Pfahlbauer“ an?

Die Pfahlbauer lassen sich nicht nur einer Kultur zuordnen, es sind ca. 30 Kulturen die die Idee des Pfahlbaues verfolgten. Bekannte Kulturen in unserer Region sind die Atterseegruppe, Mondseegruppe und auch die Hallstattkultur.

Die Zuordnung erfolgt anhand der Lebensweise, dem Sozialgefüge und der Gestaltung und der Materialien der Gegenstände und Werkzeuge. Im Bild sieht man einen Mondsee-Krug für ihn sind beispielsweise die mit Kalkpaste verfüllten Inkrustierungen markant.

 

UNESCO-Welterbe

981 Kultur- und Naturerbestätten in 160 Staaten aller Kontinente sind für die Menschheit von so besonderem Wert, dass diese auf die UNESCO-Welterbeliste gesetzt wurden.

Den Titel UNESCO Welterbe tragen bekannte Stätten wie die Chinesische Mauer, das Taj Mahal, die Pyramiden von Gizeh oder auch das Kolosseum in Rom. So ist es eine besondere Ehre in diesen Kreis der für die Menschheit nachhaltig besonders schützenswerten Welterbe Stätten aufgenommen zu sein.

 

Folgende Welterbestätten finden sich in Österreich:

Das historische Zentrum Salzburgs, Schloss und Gärten von Schönbrunn, die Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut, die Semmeringeisenbahn, die Stadt Graz (historisches Zentrum und Schloss Eggenberg), die Kulturlandschaft Wachau, das historische Zentrum von Wien, die Kulturlandschaft Fertö-Neusiedler See und eben unsere prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen. (gemeinsam mit Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien und der Schweiz).

 

 

Die geschützten Pfahlbau-Welterbestätten sind in:

Seewalchen am Attersee: Litzlberg Süd, (westlich der Insel Litzlberg)

Attersee am Attersee

  • Abtsdorf 1, (in der Nähe der „Teufelsbrücke“)
  • Abtsdorf 3, (in der Nähe der „Teufelsbrücke“)

Mondsee: Station See, (am Ufer von Unterach am Attersee, direkt am Seeauslauf)

Keutschachersee / Kärnten: Keutschach, (versunkene Insel inmitten des Keutschachersees)